Schwäbische Zeitung Warum Abfallrecht das Recycling bremst
RIEDLINGEN – Recycling von PU-Dämmstoffen scheitert oft am Abfallrecht. Ein Pilotkreislauf zeigt, dass es günstiger ginge.
Beim Unternehmensbesuch der Firma Linzmeier Bauelemente durch den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Dahler (CDU), Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger (ebenfalls CDU) und den drei Gemeinderäten Manuel Breitfeld, Klaus Hagmann und Matthias Scheible ging es unter anderem um die Kreislauffähigkeit von Polyurethan-(PU)-Dämmstoffen.
Die Branche hat mit einem Kreislaufprojekt in Berlin und Brandenburg den Nachweis erbracht, dass der PU-Dämmstoff kreislauffähig ist. Dort werden Verschnittreste des Dämmstoffes auf Baustellen gesammelt und anschließend zu PU-Funktionswerkstoffen umgewandelt, die unter anderem in Gebäuden eingesetzt werden.
Allerdings stehen einer umfassenden Verwertung der Dämmstoffe auch aus dem Rückbau von Gebäuden die bürokratischen Hürden des Abfallrechts entgegen. Dazu sagt Tobias Schellenberger, Geschäftsführer des Industrieverbandes Polyurethan-Hartschaum (IVPU): „Es ist nicht vermittelbar, warum der Dämmstoff, der über die Zeit im Gebäude seine Produkteigenschaften nicht verloren hat, nun auf einmal als Abfall gilt und unter verschärften Bedingungen behandelt werden soll.“
Das verteuert die Wiederverwertung um bis zu Faktor drei im Vergleich zur Herstellung von Primärprodukten. Damit sind Baustoffe aus Sekundärprodukten nicht wettbewerbsfähig.
„Um Stoffkreisläufe schließen zu können, dürfen künftig die wertvollen, nicht gefährlichen Sekundärrohstoffe auch aus dem Gebäuderückbau nicht mehr als Abfall definiert und behandelt werden“, sagt Tobias Schellenberger.
Andreas Linzmeier, Geschäftsführer der Firma Linzmeier Bauelemente, ergänzt: „Hochleistungsdämmstoffe wie unsere haben nach etwa einem halben Jahr Einsatz im Gebäude durch die Reduzierung des Heizenergiebedarfs das CO2 eingespart, was der Dämmstoff von der Ölförderung bis zu seiner Herstellung erzeugt.“
Die Politik müsse nun dafür sorgen, dass die Voraussetzungen für einen zügigen und wettbewerbsfähigen Ausbau der Stoffkreisläufe geschaffen werden, so Linzmeier weiter. Außerdem arbeite man als Unternehmen am Ersatz von fossilen durch nachwachsende Rohstoffe, um den CO2-Abdruck der Dämmprodukte weiter zu verbessern.
Auf dem gemeinsamen Rundgang durch die Produktionshallen erhielt die Delegation Einblicke in die Herstellung und Weiterverarbeitung von Dämmplatten aus Polyurethan. Darüber hinaus informierte Andreas Linzmeier über das bestehende Recycling von Bruchstücken, Verschnitten oder Produktionsabfällen zu Konstruktionsbauplatten und die Lagerhaltung von annähernd 50 verschiedenen Produkten in unterschiedlichen Dämmstärken.