Dörflinger setzt auf Nähe und Wirtschaftskompetenz - 5.2.26
Bereits zum dritten Mal zieht Thomas Dörflinger für die CDU in den Landtagswahlkampf. Und trotzdem empfindet er 2026 als eine Art Premiere.
Von Gerd Mägerle
BIBERACH - Thomas Dörflinger ist viel unterwegs in diesen Tagen: Wahlkampftermine, Termine der CDU-Landtagsfraktion, dazwischen Termine auf der Fasnet, bei Vereinen und Verbänden im Wahlkreis. „An manchen Tagen, wenn ich heimkomme und das Feuer im Ofen brennt, würde ich mich auch lieber aufs Sofa legen“, räumt der 56-jährige Ummendorfer ein. Eine Grundregel früherer CDU-Abgeordneter aus dem Landkreis habe er aber verinnerlicht: „Gute Politik macht man nur, wenn man bei den Leuten ist.“ Das habe er in der gesamten bisherigen Zeit als Abgeordneter so gehalten, nicht nur im Wahlkampf.
"Wahlkampf muss nicht immer nur ernst und verbissen sein."
Thomas Dörflinger
2016 holt der damals als Vermögensverwalter bei der Kreissparkasse Biberach tätige Dörflinger mit 35,9 Prozent erstmals das Direktmandat. 2021 verteidigte er dies mit 34,1 Prozent der Stimmen. Inzwischen ist er das dritte Mal im Landtagswahlkampf und trotzdem fühle es sich an wie eine Premiere. „2016 dominierte das Thema Migration, 2021 war der Wahlkampf von Corona überlagert. Dieses Jahr ist zum ersten Mal die Landespolitik im Fokus.“
Auch im Wahlkampf selbst ist manches anders. Wie auch andere Kandidaten postet Thomas Dörflinger viele seiner Aktivitäten und Termine über seine Social-Media-Kanäle. Das hat auch damit zu tun, dass das Wahlalter erstmals bei 16 Jahren liegt. „Diese Zielgruppen erreiche ich nicht mit klassischen Wahlversammlungen“, sagt er.
Dörflinger probiert deshalb auch neue Formate aus. So hatte er kürzlich Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter zu einer Veranstaltung eingeladen, in der es um die Themen Leistung und Motivation ging. Mit der Kabarettgruppe „Hauptkerle“ bestreitet er zwei Abende unter dem Motto „Politik und Pointe“. „Wahlkampf muss nicht immer nur ernst und verbissen sein“, findet der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion.
Dörflingers absolutes Prio-1-Thema in diesem Wahlkampf ist Wirtschaft. „Nur mit einer prosperierenden Wirtschaft ist Geld für alles andere da“, nennt er die schlichte Formel, die derzeit häufig im CDU-Wahlkampf zu hören ist. Sollte CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel Ministerpräsident werden, werde dieser Wirtschaftspolitik zu Chefsache machen, ist Dörflinger überzeugt. Die CDU plane nach der Wahl auch die Einrichtung eines Wirtschaftsrats aus Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie einen Zukunftsfonds.
Auch das Dauerthema Bürokratieabbau werde die CDU angehen, verspricht Dörflinger. Geplant sei, alle künftigen Gesetze und Verordnungen auf Landesebene mit einer Laufzeit zu versehen. „Insgesamt müssen wir auch die Verwaltung verschlanken“, so Dörflinger. Ob das gleichbedeutend mit einer immer wieder diskutierten Abschaffung der Regierungspräsidien ist, lässt er offen. „Die RPs haben Bündelungsfunktionen, die irgendwo stattfinden müssen.“ Ein Thema, das den 56-Jährigen im Wahlkreis zuletzt sehr beschäftigt hat, war der geplante Neubau der B30-Brücken bei Hochdorf. Dort hatte sich das Land zunächst für die günstigste Lösung entschieden, die jedoch mehr Verkehr und Staus auf den Umleitungsstrecken in den Dörfern zur Folge hätte, ebenso Mehrkosten für die heimische Wirtschaft. Mittlerweile wird eine alternative Variante diskutiert. Die Lehre daraus für Dörflinger, der auch verkehrspolitischer Sprecher der Landtags-CDU ist: „Wir dürfen in solchen Fällen nicht nur die baulich günstigste Lösung betrachten, sondern müssen immer die gesamtwirtschaftliche Bilanz einbeziehen.“
Beim Thema Sicherheit spricht sich der CDU-Kandidat für mehr Polizeipräsenz und -personal aus. „Auch Videoüberwachung wird an Bedeutung zulegen müssen. Da muss aus meiner Sicht auch mal der Datenschutz zugunsten der Sicherheit zurückstecken.“
"Nicht jeder, der Abitur macht und studiert, ist am Ende der Besserverdienende."
Thomas Dörflinger
Bei Bildung und Betreuung fordert Dörflinger ein verpflichtendes, letztes Kindergartenjahr, das im Gegenzug gebührenfrei sein muss. Das Elternhaus trage aber eine besondere Verantwortung bei der Erziehung. Weil immer mehr Kinder in der ersten Klasse noch nicht schulreif sind, sollen Juniorklassen etabliert werden, die für die betreffenden Kinder der ersten Klasse vorgeschaltet werden.
Ein Anliegen ist dem handwerkspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion auch die duale Ausbildung. Über Praktika sollen auch Gymnasiasten stärker an diese Möglichkeiten herangeführt werden. „Wir brauchen Menschen, die planen und entwickeln, aber auch welche, die die Dinge ausführen. Nicht jeder, der Abitur macht und studiert, ist am Ende der Besserverdienende“, sagt Dörflinger.
In der im Moment hitzigen Debatte um die Arbeitszeit fordert der CDU-Mann mehr Flexibilität. „Wir müssen weg von einer starren Tagesarbeitszeit und einiges tun, um produktiver zu werden.“
Auf eine Koalitionsaussage für die Zeit nach der Wahl möchte sich Dörflinger nicht festlegen. Klar ist für ihn: Eine Zusammenarbeit mit der dann vermutlich gewachsenen AfD-Fraktion werde es nicht geben. Auf die Frage, ob er selbst mit einem Staatssekretärs- oder gar Ministerposten in einer künftigen Landesregierung liebäugele, antwortet Dörflinger diplomatisch: „Ich hoffe auf ein Ergebnis, das auch in Stuttgart positiv auffällt.“
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© Schwäbische Zeitung, Ausgabe Biberach vom 5.2.2026